Nach über zehn Jahren voller CD-
und Vinyl-Veröffentlichungen in verschiedenen Konstellationen und unzähligen Liveauftritten, bei denen sich Fritz u. a. beim Splash!- oder dem Summer Jam-Festival sowie lokalen Konzerten die Bühne mit Acts wie Creutzfeld & Jakob, Galla, Raekwon, The Beatnuts, Die Orsons, Aphroe, Hiob & Morlockk Dilemma, Dead Prez, Afrob und Umse teilte, erscheint mit „Hymnen für die Hood“ nun sein erstes Solo-Release auf voller Albumlänge.
Der Longplayer entstand seit Ende 2017 über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren. Ein Grossteil der Songs wurde von Yves the Chief, Till Gates und Fritz Fresh selbst produziert. It’s still a family affair – die drei Brüder trafen sich neben beruflichen und familiären Verpflichtungen in jeder freien Minute in ihrem Tonstudio in Dortmund, um an Musik für das Album zu arbeiten. Fritz führte die Albumproduk- tion sogar nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthaltes fort.
Das derart fertiggestellte „Hymnen für die Hood“ ist das eindrucksvolle Solo-Debütalbum eines gestandenen Ruhrpott-MCs, der nach über einer Dekade am Mic niemandem mehr etwas beweisen muss – und es dennoch tut. Mit dem Hunger und Biss eines Rookies und der technischen Finesse und Routiniertheit eines Rap-Veteranen zeigt sich Fritz Fresh musikalischer und vielfältiger denn je, liefert technisch komplexe Raps, variationsreiche Flows und Gesangspassagen abseits von Durchschnitt und Zeitgeist und zeichnet über knapp eine Stunde wortgewandt Bilder und Geschichten aus 15 Jahren Ruhrpottleben im Mikrokosmos zwischen großer Bühne, kleinen Sorgen, Mallocheralltag, Freund- schaften und Vaterfreuden. Dortmund ist seine Heimat, Witten sein zu Hause, der Ruhrpott sein Viertel.
An den gängige Playlisten-Rap-Sound möchte und muss Fritz sich dabei nicht anbiedern, er hat seine eigene musikalische Spur längst gefunden. Auf „Hymnen für die Hood“ treffen rasselnder Ruhrpott- Funk und Reflektion der eigenen Vergangenheit („Normal“) auf stakkatoartige Abrechnungen mit der Rapszene („Feeling“); karibisch angehauchte, entspannte Boom Bap-Lobpreisungen der eigenen Nachbarschaft („Handy Schlüssel Portemonaie“) auf Kampfansagen wider dem ganz normalen Papierkrieg („Dispo3000“) sowie Livebanger mit den alten Dortmunder Weggefährten Buddi und Heideck („Abriss“). Mit dem Titeltrack „Hymnen für die Hood“ präsentiert Fritz eine sachte Retrospektive auf eine Jugend zwischen Rap, Graffitti, Basketballplatz und Schuleschwänzen, mit
„Augen zu und ruhig“ ein tiefenentspanntes Manifest gegen Leistungsdruck und Karrierezwang.
Spätestens nach dem Outro „Zurück am Corner“, einer unkitschigen, emotionalen Rückschau auf den Krankenhausaufenthalt seines neugeborenen Sohnes und ein Leben zwischen Vollzeitjob, Vaterschaft und Musik man das Gefühl, Fritz so ehrlich kennengelernt zu haben, wie es sonst eigentlich nur in einer Pott-Eckkneipe bei einem gepflegten Pils passiert. Auf uns und auf das Leben, woll. Alles wird gut.
Nach dem Motto „Stories aus dem Leben, keine leeren Kampfansagen“ (Galla/RAG) erwartet die Hörer mit „Hymnen für die Hood“ erstklassiger Ruhrpottrap auf 16 abwechslungsreichen Tracks. Ein Muss für Liebhaber atmosphärischer Beats, anspruchsvoller Cuts und authentischer Texte.